Einführung: Warum Feuchtigkeit für Akustikgitarren so entscheidend ist

Akustikgitarren bestehen zum Großteil aus massivem Holz – einem lebendigen Werkstoff, der auf Temperaturschwankungen und insbesondere auf Veränderungen in der Luftfeuchtigkeit empfindlich reagiert. Ein häufiges, aber vermeidbares Problem sind Korpusrisse, die meist in der kalten Jahreszeit oder bei unsachgemäßer Lagerung auftreten. Vor allem zu trockene Luft führt dazu, dass Holz sich zusammenzieht und Spannungen entstehen, die letztlich zum Reißen des Gitarrenkorpus führen können. Egal ob Anfänger oder Profi – wer seine Gitarre dauerhaft in optimalem Zustand halten will, sollte einige grundlegende Pflegehinweise beachten und wissen, wie man erste Anzeichen von Schäden erkennt. In diesem Beitrag erfährst du, wie du Korpusrisse vermeidest, welche Sofortmaßnahmen bei Trocknungsschäden helfen und wann eine Reparatur durch den Fachmann notwendig ist.

Häufige Ursachen für Korpusrisse

Korpusrisse entstehen meist nicht plötzlich, sondern sind das Ergebnis langfristig ungünstiger Umgebungsbedingungen. Dabei ist einer der Hauptverursacher: zu geringe Luftfeuchtigkeit.

Typische Ursachen im Überblick:

  • Trockene Heizungsluft im Winter kann die Luftfeuchtigkeit unter 30 % absenken.
  • Lagerung in ungeeigneten Räumen wie Dachböden, Kellern oder unbeheizten Proberäumen.
  • Direkte Sonneneinstrahlung oder Heizkörpernähe, die das Holz punktuell stark austrocknen.
  • Nicht verwendete Luftbefeuchter, besonders bei langen Standzeiten oder auf Reisen.

Pflegehinweise: So schützt du deine Akustikgitarre vor Korpusrissen

Optimale Luftfeuchtigkeit sicherstellen

Eine gleichmäßige relative Luftfeuchtigkeit zwischen 45 % und 55 % ist entscheidend. So gelingt das:
  • Regelmäßig messen – verwende ein präzises digitales Hygrometer im Raum oder Gitarrenkoffer.
  • Luftbefeuchter einsetzen – besonders im Winter bei trockener Heizungsluft. Raumluftbefeuchter oder Gitarrenspezifische Systeme (z. B. Schallloch-Luftbefeuchter) sind hilfreich.
  • Gitarre im Koffer lagern – schützt vor raschen Klimaveränderungen und verhindert direkte Lichteinstrahlung.
  • Trockene oder feuchte Extremräume meiden – dazu zählen Keller, Dachböden oder Fensterbretter über Heizkörpern.
  • Beim Transport schützen – insbesondere bei Konzerten im Winter eine Decke um den Koffer wickeln, um Temperaturschocks zu vermeiden.

Zusätzliche Pflegetipps:

  • Gitarrenöl oder Pflegemittel sparsam verwenden, um das Holz geschmeidig zu halten – aber keine Mittel mit Alkohol oder Lösungsmitteln verwenden.
  • Halbjährliche Sichtkontrolle durchführen – prüfe auf Haarrisse, Veränderungen der Decke und Bundkanten.

Troubleshooting: Was tun bei Korpusrissen?

Trotz vorbeugender Maßnahmen kann es vorkommen, dass sich durch trockene Luft erste Symptome zeigen. Diese Anzeichen deuten auf Trocknungsschäden oder drohende Rissbildung hin.

Mögliche Symptome:

  • Scharfe oder überstehende Bundkanten – Griffbrett schrumpft und sorgt für hervorstehende Metallkanten.
  • Eingesunkene Gitarrendecke – zu geringe Luftfeuchtigkeit führt dazu, dass sich die Decke nach innen wölbt.
  • Schnarren der Saiten – durch veränderte Saitenlage bei abgesunkener Decke oder geschrumpftem Steg.

Schritt-für-Schritt-Maßnahmen bei ersten Rissen:

  1. Luftfeuchtigkeit schnell erhöhen → Ziel: 50–55 % relative Luftfeuchtigkeit innerhalb der nächsten Tage. Schallloch- oder Kofferbefeuchter verwenden.
  2. Gitarre in den Koffer legen → Kein offener Gitarrenständer. Der Koffer hält die Luftfeuchtigkeit besser konstant.
  3. Keine Wärmequellen in der Nähe → Nicht auf eine Heizung legen oder in sonnige Fenster stellen.
  4. Bewegungen minimieren → Gitarre nicht spielen oder bewegen, bis sich das Holz akklimatisiert hat.
  5. Riss beobachten und professionellen Rat einholen → Besonders bei sichtbaren Rissen sollte ein Gitarrenbauer einbezogen werden, der das Holz mit Leim und passenden Spänen fachgerecht stabilisiert.

Wann hilft nur noch der Fachmann?

Nicht jeder Riss lässt sich selbst beheben. Folgende Anzeichen erfordern professionelle Hilfe:
  • Längere oder tiefe Risse, die durch die gesamte Decke oder den Boden verlaufen.
  • Strukturelle Schäden, bei denen die Stabilität der Gitarre beeinträchtigt ist.
  • Veränderung am Halsansatz oder Steg, wenn sich diese lösen oder anheben.
Ein Gitarrenbauer kann:
  • Risse mit Spezialleim fixieren,
  • verlorenes Volumen mit passenden Holzspänen auffüllen,
  • das Finish behutsam überarbeiten und
  • durch eine Feuchtigkeits-Regeneration das Holz stabilisieren.