Elektromagnetische Interferenzen bei E-Gitarren: Ursachen, Lösungen & Pflege-Tipps
Wenn deine E-Gitarre plötzlich brummt, pfeift oder rauscht, kann das ganz schön nervig sein – besonders im Studio oder auf der Bühne. Oft sind elektromagnetische Interferenzen (EMI) der Grund dafür. Hier erfährst du, wie du solche Störungen erkennst, was du dagegen tun kannst und wie du dein Instrument langfristig davor schützt.
Was genau ist elektromagnetische Interferenz (EMI)?
EMI treten auf, wenn elektrische oder elektronische Geräte elektromagnetische Wellen aussenden, die von empfindlichen Bauteilen deiner Gitarre – besonders den Tonabnehmern – aufgenommen werden. Diese Störsignale äußern sich meist als:
- Brummen (meist 50/60 Hz Netzfrequenz)
- Hochfrequentes Pfeifen oder Zischen
- Signalverlust oder Hintergrundrauschen
Besonders anfällig für EMI sind Gitarren mit Single-Coil-Tonabnehmern, wie z. B. Fender Stratocaster-Modelle – beliebt wegen ihres „glasklaren“ Tons, aber leider anfälliger als Humbucker.
Typische Auslöser für EMI bei E-Gitarren
Viele Dinge, die du täglich nutzt oder in deinem Proberaum stehen, können EMI verursachen, zum Beispiel:
- Neon- oder LED-Leuchten
- WLAN-Router und Smart-Home-Geräte
- Dimmer-Schalter und Netzteile
- Tablet- und Computermonitore
- Handys, Ladegeräte & drahtlose Systeme
Die elektromagnetischen Wellen dieser Geräte mischen sich in das empfindliche Audiosignal deiner Gitarre – besonders, wenn dein Equipment nicht gut abgeschirmt oder geerdet ist.
Wie behebst du EMI bei deiner Gitarre?
1. Tonabnehmer wechseln oder kombinieren
Wenn du regelmäßig mit EMI-Problemen kämpfst, kann der Umstieg auf Humbucker helfen. Sie wurden genau für dieses Problem entwickelt: Die beiden Spulen sind entgegengesetzt gewickelt und heben Störsignale gegenseitig auf. Alternativ gibt es auch Noiseless-Single-Coils, die ähnlich funktionieren.
2. Abschirmung verbessern
Mit Kupfer- oder Graphitfolie lässt sich das Elektronikfach deiner Gitarre auskleiden – ähnlich einem „Faradayschen Käfig“. Diese Maßnahme reduziert das Eindringen externer elektromagnetischer Felder.
Tipp: Achte darauf, dass die Abschirmung mit der Masse verbunden ist – sonst bleibt der Effekt aus.
3. Erdung überprüfen
Eine schlechte oder fehlende Erdung führt oft zu stärkerem Brummen. Du erkennst das daran, dass das Brummen beim Berühren der Saiten entweder lauter oder leiser wird. Im Idealfall gibt es eine durchgehende Masseverbindung von den Saiten über die Brücke zur Elektronik. Falls du dir unsicher bist – ein Gitarrentechniker kann das schnell prüfen und ggf. reparieren.
4. Hochwertiges Zubehör verwenden
Auch Zubehör spielt eine große Rolle bei der Signalqualität:
- Gitarrenkabel: Nutze abgeschirmte, hochwertige Instrumentenkabel. Billige Kabel wirken wie Antennen.
- Netzteile: Achte auf geglättete, isolierte Netzteile für Pedale und Recording-Equipment.
- Noise Gates: Diese Effektgeräte eliminieren leise Störgeräusche, wenn du gerade nicht spielst – besonders praktisch bei Verzerrungen.
5. EMI-Quellen vermeiden
Einfache Maßnahmen können bereits viel bewirken:
- Drehe deinen Amp oder deine Gitarre leicht – manchmal ändert sich das Störverhalten je nach Ausrichtung.
- Schalte Störenfriede (z. B. Leuchtstoffröhren, Dimmer oder Laptopnetzteile) während der Aufnahme aus.
- Halte Mobiltelefone, Router und anderes WLAN-fähiges Zubehör möglichst fern von Amp und Gitarre.
Langfristige Pflege deiner Gitarre
Elektromagnetische Störungen sind nur ein Aspekt. Regelmäßige Wartung schützt dein Instrument zusätzlich vor größeren Problemen:
Elektrik-Check
- Lötstellen sicher? Kalte Lötstellen führen zu Signalstörungen.
- Buchse und Potis fest? Ein lockerer Kontakt erzeugt Knackgeräusche.
- Schalter sauber? Verwende bei kratzenden Potis etwas Kontaktreiniger (keinesfalls WD-40!).
Tonabnehmer-Reinigung
Mit einem trockenen oder leicht angefeuchteten Tuch kannst du Staub oder Schmutz auf den Tonabnehmern entfernen. Vermeide scharfe Reinigungsmittel – die können Plastik oder Magneten beschädigen.
Schnelle EMI-Checkliste
Bevor du deine Gitarre als defekt abstempelst, frage dich:
✅ Nutze ich hochwertige Gitarrenkabel?
✅ Habe ich elektrische Störquellen in der Nähe?
✅ Sind sämtliche Kontakte und Buchsen fest und sauber?
✅ Wurde das Elektronikfach abgeschirmt?
✅ Ist die Erdung durchgängig bis zu den Saiten?
✅ Habe ich alternative Tonabnehmer ausprobiert?
Fazit: EMI bekämpfen ohne Voodoo
Elektromagnetische Interferenzen sind zwar lästig, aber meist schnell in den Griff zu bekommen – selbst für Hobby-Gitarristen. Mit solider Technik, etwas Hintergrundwissen und regelmäßiger Pflege bleibt dein Sound sauber – auch im Rausche der modernen Welt. Und falls du dir mal nicht sicher bist: Der Besuch beim Fachmann spart oft Zeit, Nerven und vor allem: Klangverlust.